Singen im Chor II

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Es gibt - Gott sei Dank - auch Sänger, die das Singen im Chor ernst nehmen und ihre eigenen Stärken dem Gesamtklang für den Chor unterordnen.

Danke an den von mir sehr geschätzten Verfasser Felix Schonauer für die
‘Zehn Gebote - Hilfen für die Chorarbeit in einer Neufassung’.

Hier ist bisher nur das 8. ‘Gebot’ zu sehen.

8. Der große Auftritt 1 (nur für Fortgeschrittene):
Das Singen im Proberaum unterscheidet sich sehr vom Singen beim Auftritt. Einige Unterschiede:

Im Probensaal
 - sind alle müde und oft unkonzertriert von des Tages Last und Mühe
 - sind die eigenen Stimmen und der Gesamtklang noch unvertraut
 - die Akustik ist oft trocken, man hört sich direkt (auch die Fehler) und die nahen Stimmen überlaut, oft
   gilt eine andere Sitz-/Stehordnung als beim Konzert
 - singen wir daher mit gesenktem Notenblatt, in der Regel im Sitzen, also meist atemlos bzw. mit
   mangelhafter Stütze
 - fehlen uns die Zuhörer mit ihren Reaktionen und damit oft die Motivation, genau zu arbeiten
 - sind die Instrumentalisten nicht oder nicht vollständig dabei
 - fehlt die oft als Belästigung empfundene Technik
 - fehlt, zumindest in vielen Proben, der Zeitdruck
 - gilt eine andere Reihenfolge der Lieder als beim Konzert
 - sind selten die selben SängerInnen beisammen wie später beim Konzert
 - sind in der Regel nur Teilgruppen mit Singen beschäftigt

Im Konzert
 - sind alle voll konzentriert und motiviert
 - werden die Lieder (mehr oder weniger) beherrscht
 - ist die Akustik oft stark verhallt, die eigene Stimme und der Gesamtklang werden unklar gehört
 - singen wir daher meist mit sehr erhobenem Notenblatt, damit die Reflexion dergenen Stimme
   Sicherheit gibt (die SängerInnen werden für das Publikum “unsichtbar” und daher unverständlich
 - singen wir im Stehen, also mit Atem und Stütze, aber mit zunehmenen Rückenschmerzen
 - haben wir die Kontrolle und zusätzliche Motivation durch die Reaktionen der Zuhörer
 - sind plötzlich zu viele, zu laute und völlig unberechenbare Instumentalisten dabei
 - stehen plötzlich überall die feindlichen Mikrofone und Verstärker, die den Gesang ein wenig und das
   Gequatsche perfekt übertragen, weil die Sprechstimme im optimalen Frequenzbereich (für die
   Mikrophone) liegt
 - stehen plötzlich alle unter Zeitdruck
 - sind viele von den Proben in letzter Minute, vom verkrampften Einsingen und vom Aufregungskatarrh
   völlig abgesungen
 - sind alle ständig gefordert und alle Versäumnisse der Probenarbeit werden überdeutlich
 - tröstet der Applaus über echte und vermeintliche eigene Schwächen und Fehler

All dies lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Versuche in Abstimmung mit dem Chorleiter und allen Beteiligten diese beiden so unterschiedlichen Sing-Situationen so oft und so genau wie möglich einander anzugleichen, so dass die positiven bzw. förderlichen Aspekte der o.g. Liste immer deutlicher hörbar werden.